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Korsika

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Geschichte des korsischen Weinbaus

Obwohl der Anbau von Weinreben und die Produktion von Weinen schon zu Zeiten der griechischen Besiedlung Korsikas im 6. Jahrhundert vor Christus seine frühesten Wurzeln hat und von römischen Legionen ab dem Jahr 94 vor Christus seinen Fortgang fand, wurde er erst im Mittelalter mit der Regierung durch Genua nennenswert gefördert.

Der Weinbau unter genuesischer Herrschaft

Der historische Weinbau auf Korsika wurde durch die Genueser maßgeblich beeinflusst, die ab dem Jahr 1347 als Besitzer der Insel wirkten, nachdem sie sie dem Erzbischof von Pisa abnehmen konnten. Genua herrschte (mit Unterbrechungen) 400 Jahre über die Insel, bis heute sind aus dieser Zeit viele Gebäude und andere Spuren zu finden. Im Jahr 1572 gab es einen Erlass der genuesischen Regierung, nach dem alle Familien Korsikas verpflichtet waren, jeweils vier Rebstöcke anzupflanzen. Am 20. Dezember 1658 erging ein erneuter Erlass, der jeden Korsen verpflichtete, einen Obst- oder Olivenbaum oder alternativ 20 Rebstöcke anzupflanzen. Der Export der Trauben und des Weines war allerdings nur in die Republik Genua gestattet.

Entsprechend diesen Anordnungen wurden vor allem italienische Trauben auf die Insel gebracht. Weinbau war in den folgenden Jahrhunderten einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Insel. Ab 1729 verlor Genua die Macht über die Insel durch den erbitterten Unabhängigkeitskampf der Korsen; 1769 kam die Insel jedoch unter die Herrschaft der Franzosen, die sie 1789 endgültig annektierten.

Der Weinbau bis in das 20. Jahrhundert

Nachdem Frankreich die Herrschaft über Korsika übernahm, wurde der Weinanbau erneut intensiviert. Die Anbaufläche nahm von 1789 bis 1800 von etwa 8.000 ha auf über 12.000 ha zu, bis 1870 waren etwa 15.000 ha der Fläche mit Rebstöcken bepflanzt, und ungefähr zwei Drittel der Bevölkerung lebte vom Weinbau. Im Jahr 1873 erschien eine Untersuchung, die zu dem Schluss kam, dass der Weinbau auf Korsika die Haupteinnahmequelle von sogar 75% aller Korsen war. Ironie des Schicksals: im gleichen Jahr erschien erstmals die Reblaus (Daktulosphaira vitifoliae) auf der Insel. Binnen kürzester Zeit waren alle Rebstöcke befallen und vernichtet, und die Wirtschaft der Insel zusammengebrochen. In der Folge wanderten viele Korsen aus. Danach forderten der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918 und der Zweite Weltkrieg 1939 bis 1945 viele Opfer unter der Bevölkerung. Die Entwicklung des Weinbaus ging während dieser Zeit bis in die 1960er Jahre massiv zurück, die Rebfläche wurde bis 1960 auf etwa 5.000 ha reduziert, und der Weinertrag reichte nicht einmal aus, um die Hälfte des Eigenbedarfs der Bevölkerung zu sichern.

Moderner Weinbau nach 1960

Der moderne Weinbau auf Korsika wurde von ca. 18.000 Zuwanderern und Flüchtlingen aus dem Algerienkrieg begründet, den pieds noirs, wobei die korsische Bevölkerung bei der Landvergabe der zuvor fruchtbar gemachten Ostküste massiv benachteiligt wurde. Innerhalb kürzester Zeit wurde vor allem die östliche Ebene zwischen den Orten Cervione und Ghisonacci aufgebaut und dort mit Hilfe der Regierung erneut große Weinanbauflächen angelegt. Diese Ebene lag bis dato brach, da sie immer wieder von der Malaria heimgesucht wurde. Innerhalb weniger Jahre wurden fast 20.000 ha Rebfläche angelegt. Die dafür notwendigen Investitionen wurden von der Organisation Somivac (Socit de mise en valeur de la Corse) unterstützt. Bis in die frühen 1970er Jahre nahm die gesamte Rebfläche Korsikas von etwa 9.000 ha im Jahr 1953 auf über 32.000 ha im Jahr 1973 zu. Der Wein wurde erneut zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Korsikas. Dabei kam es allerdings auch zu regelmäßigen Skandalen: Da die pieds noirs in Algerien hauptsächlich tiefdunkle, alkoholreiche Rotweine erzeugten, die auf dem französischen Festland zum Verschnitt mit Weinen genutzt wurde, denen es an Farbe und Alkohol mangelte, wollten sie diesen lukrativen Markt weiter bedienen. Auf Korsika konnte man diese Art der Weine jedoch nur durch Chaptalisation, also durch Beimischung von Zucker erzeugen. Dies hatte zur Folge, dass der korsische Import von Zucker von 300 Tonnen im Jahr 1961 auf 12.500 Tonnen im Jahr 1970 und schließlich 22.000 Tonnen im Jahr 1971 stieg. Diese Tatsache ist umso erstaunlicher, als die Beimischung von Zucker in den Most schon ab der Ernte 1969 untersagt war. Tatsächlich wurde durch diese illegale Praxis ein Reingewinn von 24 Millionen Francs Francais generiert. Dieser Gewinn kam insbesondere den Zuwandern zugute.

Unzufriedene Einheimische formierten um Edmond Simeoni die Vereinigung ARC (Actioen rgionaliste corse), eine Vorgängerorganisation des Frontu di Liberazione Naziunalista Corsu (kurz FLNC). Am 21. August 1975 kam es zu einem Aufstand in der Nähe eines Weingutes in der Nähe von Ghisonaccia an der Ostküste. Mit Jagdgewehren bewaffnete Einheimische des ARC besetzten den Weinkeller des mehrfach in Unregelmäßigkeiten verwickelten Winzers Henri Depeille und stellten dort massive Weinpanschereien mit Zucker fest. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen wurde das Weingut von der Polizei mit Waffengewalt geräumt, wobei zwei Polizisten getötet und ein Besetzer verletzt wurde, jedoch war durch die aktuelle Berichterstattung über die Panschereien der gute Ruf des korsischen Weines bereits verdorben. Bis heute gilt die Mehrzahl der korsischen Weine vor allem als Mengenwein, der häufig ins Languedoc verschifft wird, um den dortigen Zechweinen zugesetzt zu werden.

In der Folge der Skandaljahre nahm die Weinproduktion in fast demselben Umfang wieder ab, wie sie vorher zugenommen hatte. Von den 32.000 ha gab es 1987 nur noch etwa 10.900 ha, 1997 waren nur noch 8.500 ha in Ertrag. Die Anzahl der Weinproduzenten fiel dabei von 1808 im Jahr 1976 auf 724 im Jahr 1987. Die Ernte 2002 wurde von nur noch 377 Winzern deklariert. Die Gesamtproduktion fiel dabei von 2,2 Millionen Hektolitern auf etwa 430.000 Hektoliter 1989. Im Jahr 2002 belief sich die Ernte auf 356.000 Hektoliter

 

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